Grundofenbausatz III

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04.05.10, 17:25:57

Theo Kern

geändert von: Theo Kern - 23.07.10, 12:11:26

Im Rahmen einer Gutachtenerstellung über einen Bausatzgrundofen mit Selbstaufbau habe ich eine Familie in Baden-Württemberg besucht.

Reklamiert wurde die falsche Planung ohne Rücksicht auf die Baumaße und der damit zusammenhängende, chaotische, Selbstbauverlauf.

Die Unterlagen des Bausatzherstellers zu dem Ofen haben hinten und vorne nicht gepasst. Somit musste der selbst aufbauende Bauherr eine Reihe Änderungen durchführen die nicht geplant waren. Darunter leidet der gesamte Ofen.
Unter anderem war der Ofen so geplant dass Mindestabstände zu der Holzdecke nicht eingehalten werden konnten. Der Bezirksschornsteinfegermeister hat dann zwangsläufig den Ofen gesperrt.

So wurde der Vorgang ausgelöst und ich kam in´s Spiel.

Ein erfahrener Ofenbauer hätte diese Probleme in den Griff bekommen, der Laie hatte da keine Chance.

Das aber war das kleinste Problem mit dem Ofen.

Gekauft hatten die Leute einen Grundofenbausatz mit der Leistung 7,3kW und mit 12-18h anhaltender Wärmeabgabe.
Für die weitere Betrachtung nehmen wir die 12h an. Bei 18h wäre alles noch viel schlimmer.

Jeder Grundofenfachmann und auch der Laie schließt aus der Angabe auf einen Grundofen schwerer Bauart mit einer Leistung von 7,3kW.
Schwere Bauart heißt Nachlegeintervall von 12h.

Geliefert, und vom Käufer aufgebaut, wurde dann der Bausatz mit einem „Speicherkern“ der lt. Herstellerangaben 2,1kW hat bei einer Holzaufgabe von 2 x 2,96kg Holz im Abstand von 45Minuten.
Das konnte der Käufer natürlich nicht erkennen und nicht wissen. Diese Angaben hat er schlicht nicht bekommen. Mir liegen diese Angaben aus einem anderen Zusammenhang vor.

Als er fragte warum der Ofen nur so einen kurzen Zug (lt. Hersteller 350cm) hat wurde ihm gesagt ein langer Zug sei nicht zeitgemäß.

Was kann man daraus alles folgern?

Zuerst mal wurde der Kunde glatt betrogen. 2,1kw sind weit von 7,3kW entfernt.

Er hat bildlich gesagt einen Mercedes mit Achtzylinder bestellt, bezahlt und bei der Kontrolle durch einen unabhängigen Fachmann hat sich herausgestellt dass da ein Dreizylinder im Motorraum eingebaut ist. Dadurch dass der Motor bei heutigen Fahrzeugen kaum mehr sichtbar ist bedurfte es den Fachmann um den Betrug aufzudecken.

Aber weiter.

Bei einem schweren Grundofen mit einer Leistung von 7,3kW ist eine Holzauflage von ca. 28kg alle 12h von Nöten. Der verbaute Ofen hat eine Feuerraumgrundfläche von 1365cm². Ein Feuerraum mit 7,3kW hat hier mindestens 2769cm².
Dazu ist der Feuerraum mit seiner trapezähnlichen Grundfläche nicht dazu geeignet gleichlanges Holz einzulegen.
Wenn wir nun aber mal davon ausgehen dass der Käufer sein Holz trapezförmig zuschneidet dann müsste der Holzstapel im Feuerraum über 70cm hoch sein.
So hoch ist nicht mal der ganze Feuerraum.

Außerdem müsste der Ofen dann mindestens 790cm Zuglänge haben.

Beschiss auf der ganzen Länge also.

Der Ofen ist ein Fall für den Abriss.

Das Schlimme an der Sache ist dass die Masche System hat auch wenn mir bisher kein Ofen untergekommen ist bei dem das Missverhältnis zwischen geprüfter Leitung und Leistungsangaben gegenüber dem Kunden so krass war.

Nachtrag:
Nachdem der Fall nunmehr gerichtsanhängig ist hat der Hersteller eine Berechnung nachgereicht.
In der listet er aufwendig jeden Quadratzentimeter der Oberfläche auf und multipliziert die mit einer Fantasiewärmeleistung. Dabei bezieht er sich auf die TROL.
Die schreibt als weitere Arbeitsgänge die Berechnung von Feuerraum und Zug vor.
Davon hat er natürlich abgesehen.

Um ein Autobeispiel zu bringen (versteht jeder, darum mag ich die).
Es wäre das gleiche wenn ich eine Mercedeskarosserie mit einem Trabimotor ausrüsten würde und dem Käufer dann weismachen würde dass die Leistung des Autos von der Größe der Karosserie abhängt.

Ein zweiter Fall.

Ich war bei einem Interessenten um die Daten für eine Ofenplanung zu ermitteln.
Der Interessent hatte bereits ein Angebot eines (anderen) Bausatzherstellers vorliegen und mir vorgelegt.

Da wurde ein, von der Größe her, ähnliches System angeboten. Ein Ofen so groß wie Kühlschrank.
Die Leistung wurde nicht angegeben dafür sollte der Preis mit 9900€ nur gelten wenn der Kunde ganz schnell unterschreibt.
Er hätte dann die gewünschte Bank (Holzplatte auf Ytongsockel) und die Keramik selbst besorgen und zusätzlich bezahlen müssen.
Auch die Vorarbeiten wie Fußboden ausschneiden und Wanddurchbruch zum Schornstein waren nicht im Preis enthalten.
Insgesamt wäre dadurch der Ofen auf über 12000€ (Supersonderpreis) gekommen.

Der Kunde wurde stutzig als er bei unseren Grundofenangeboten den, vergleichbaren, Kleingrundofen für unter 6000€, fertig aufgebaut, entdeckte.

Zwar ist auch der, ebensowenig wie der Bausatz, für ihn geeignet da er eine höhere Heizleistung braucht.

Der Ofen muss ein älteres Reihenendhaus beheizen. Im Angebot hatte der Verkäufer eingetragen Beheizung bis 0°C. Nachdem dem Interessenten das aufgefallen war und er deswegen rückfragte wurde ihm gesagt das sei normal, Öfen würden immer auf 0°C ausgelegt.

Hier ist kein Schaden entstanden, der Interessent hat rechtzeitig nachgedacht.

Hätte er das nicht wäre er vermutlich auf dem Schaden sitzengeblieben. Bis 0°C hätte das Öfelchen die Beheizung möglicherweise ja geschafft……

Ein dritter Fall (alle drei Fälle sind während meiner gerade beendeten Rundreise angefallen).

Der Interessent wollte einen Grundofen mit Absorber als Ganzhausheizung.

Angeboten wurde ihm ebenfalls ein Bausatzofen (wieder ein anderer Hersteller) ohne Leistungsangabe. Dafür aber ohne den benötigten Absorber zum Ausgleich aber mit SuperHyperWunderSchamotte.

Völlig ungeeignet für sein Vorhaben aber 17000€ teuer.

Von uns erhält der Interessent nun einen Grundofen mit Absorber um damit sein Haus komplett zu beheizen. Dazu liegt unser Preis für den Ofen inkl. Absorber deutlich niedriger.

Auch hier ist kein Schaden entstanden.

Der Interessent war verwundert dass ihm der Verkäufer keine Leistung nennen konnte und hat dann die Notbremse gezogen.

Ich kann nur immer wieder darauf hinweisen sich nicht mit fadenscheinigen Angaben zufrieden zu geben.

Zu der Leistung gehört die Nachlegezeit und die jeweils benötige Holzmenge.
 
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