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Oenos

(Newbie)

Hallo,
bevor ich zur konkreten Frage komme, ein paar Worte zur Situation

EFH mit ca. 160 qm Wohnfläche, Bj 92
Fußbodenheizung in allen Räumen
Erdgas; derzeitiger jährlicher Verbrauch incl. Brauchwasser für 4 Personen ca. 2500 m³
Der Auftstellungsraum für das zu bauende Projekt ist ein großer offener Wohnraum mit angliedertem Essbereich und Küche. Hinsichtlich der Fläche macht das ca. die Hälfte des Hauses aus, hinsichtlich des beheizten Raumvolumens ca. 60 %

In den nächsten Tagen erfolgt Installation von 18 qm hochwertigem Großflächensolarkollektor von Teufel&Schwarz mit 1000 l
Schichtpufferspeicher ProClean von gleicher Firma. Gerät hat im Kopfbereich einen leistungsfährigen Wärmetauscher für Brauchwasser und bietet viele Anschlussmöglichkeiten für Wärmequellen.
Nähere Infos zum Speicher mit technischen Daten und Anschlussschema siehe http://www.teufel-schwarz.com/speicher/schicht.php

Im Wohnraum derzeit vorhanden ist ein Heizkamin (Billigmodell und fehlerhaft eingebaut).
Der bietet mir derzeit entweder die Möglichkeit eines Höllenfeuers mit enormen Holzverbrauch und viel heißer Luft, die in dem weit nach oben offener Raum sich schnell als Wärmeglocke staut, oder Holz langsamer brennen lassen ohne größere Wärmeleistung. Das Ding arbeitet wenig zufriedenstellend.

Wir planen einen Ersatz dieses Heizkamins durch eine Lösung, mit der wir Scheitholz effektiver verwenden können; d.h. einen Heizkamin oder Kachelofen mit Wasserregister zur Heizungsunterstützung.
Der vorhandene Gasheizkessel bleibt neben der Solaranlage am Pufferspeicher dran. D.h. wir wollen mit Holz heizen können, aber nicht heizen müssen. Wenn der zu bauende Kachelofen/Kaminofen nicht läuft oder zu wenig Wärme bringt, springt der Gaskessel an.

Schornsteintechnisch dürfte ja alles o.k. sein, da am Schornstein ja schon seit 12 Jahren ein Heizkamin betrieben wird. Querschnitt kann ich ad hoc nicht beantworten

Bei der Recherche bin ich beim Brunner HWM HDK 4.1 gelandet, der mir für meine Zwecke am sinnvollsten erscheint. Plane also Kachelofen auf dieser Basis.

Was meint Ihr dazu? Was würdet Ihr mir raten?

Gruß Edgar

03.10.05, 21:18:34

Theo Kern

(Administrator)

Hallo Edgar

Ihr Vorhaben, soweit dies den Wasserführenden Kachelofen betrifft, ist m.E. nicht sinnvoll.

Das Brauchwasser, zumindest außerhalb des Winters, können Sie mit der Solaranlage natürlich abdecken.

Der Kachelofen/Kamin steht in einem Raum mit 60% des zu beheizenden Volumens. Vermutlich beträgt aber der Heizlastanteil dieses Raumes, weil Wohn- und Aufenthaltsraum, 70-80% der Gesamtheizlast.

Warum wollen Sie dann die Energie im Kachelofen erzeugen, in den Speicher schicken und dann wieder zurück in den gleichen Raum in die Fußboden Heizung bringen.

Sie verbrauchen z.Zt. ca. 2500m² Gas entspr. rund 25000kW. Das entspricht ca. 12m³ trockenes Hartholz. Die müssten Sie ins Wohnzimmer tragen und dort verheizen um das Gas kpl. zu ersetzen. Dazu müssten Sie täglich (im Winterhalbjahr) den Kachelofen ca. 10 Stunden beheizen, bedeutet alle Stunde ca. 5kg Holz nachlegen.

Dieser Kachelofen benötigt, ebenso wie Ihre vorhandene Heizung und die Solaranlage, zum Betrieb elektrische Energie. Beim Stromausfall steht dann alles. Der Kachelofen lässt sich dann zwar als Warmluft/Kombiofen weiter betreiben, heizt aber ebenfalls kein Wasser mehr auf. Sie gewinnen damit also noch nicht mal zusätzliche Versorgungssicherheit.

Der Kachelofen selbst, soweit die Wärme nicht als Warmwasser abgeführt wird, heizt primär mit warmer Luft. Das ist unabhängig von gesundheitlichen Aspekten wie z.B. Staubfracht in der Atemluft schlecht. Die Wärme steigt nach oben. Daher heizen Sie den Raum von oben nach unten. Bei Ihren Deckenhöhen ist das fatal. Das haben Sie ja selbst, anhand des Heizens mit Ihrem vorhandenen Kamin, bemerkt.

Ergebnis wird im Endeffekt sein dass Sie den Ofen nicht bzw. nur wenig nutzen und Ihre Gasheizung wird weiter das Haus heizen.

Das zeigt auch die Erfahrung aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Dort wurden Anlagen dieser Art (Heizungsherde) in großer Zahl eingebaut, später durch zusätzlichen Anschluss einer Öl/Gasheizung modernisiert, nie mehr benutzt und irgendwann rausgerissen.

Sinnvoller wäre es m.E.

In diesem Bereich einen Grundkachelofen zu bauen, der in der Lage ist diesen Raum an den meisten Tagen (z.B. bis –5°C) zu heizen.

Dieser Ofen würde überwiegend mit Strahlungswärme heizen, wäre komfortabel zu bedienen (2x täglich ca. 15kg Holz auflegen), wäre unabhängig von elektrischer Energie und würde den überwiegenden Anteil an der Gesamtheizlast des Hauses tragen. Ihre ohnehin vorhandene Gasheizung wäre dann hauptsächlich noch für Nebenräume zuständig, für die Urlaubsvertretung und für Spitzenlasten. Ev. wäre auch eine Temperierung der Fußbodenfliesen bei tiefen Temperaturen sinnvoll.

Heizen mit Strahlungswärme bedeutet auch dass nicht von oben nach unten geheizt wird, sondern vom Ofen aus.

Selbst wenn da nur ein Grundofen mit 3kW gebaut würde, würde dieser während der Heizperiode ca. 1000m³ Gas einsparen.

Sinnvoll wäre aber ein Ofen von 6-7kW.

Für einen solchen Ofen müssten Sie mit Kosten von ca. 9-12000 Euro, je nach Ausführung kalkulieren.

Um nochmal zu einem Wirkungsgrad-Märchen Stellung zu nehmen. Es gibt keine Energie geschenkt. Das Wasser wird nicht mit ansonsten nutzlos abgeführten Rauchgasen erwärmt. Der Schornstein bekommt keine nutzlose Energie. Die Abgastemperaturen sind, bei ordnungsgemäß gebauten Öfen unabhängig von wasserführend oder nicht die gleichen. Das ist physikalisch notwendig.
Es ist, im vielen Fällen, eher umgekehrt. Eine zu starke Abkühlung der Verbrennungstemperaturen durch wasserführende Heizeinsätze sorgt für eine unvollständige Verbrennung und damit für einen sinkenden Wirkungsgrad bei steigender Umweltbelastung. Das ist wohl vor allem bei den Firmen so, welche die genannten Märchenrechnungen aufmachen. (Brunner gehört nicht dazu)
Nochmal ganz einfach:

Ein Ofen gleich welcher Art mit Verbrennungstemperatur x , Abgastemperatur y und Abbrandzeit z hat den gleichen Wirkungsgrad gleich ob die Wärme mittels Luft, Wasser oder Strahlung entnommen wird.
Der Vorteil den ein, richtig berechneter und gebauter, Grundofen hier hat ist die, über den Tag gesehen, kurze Abbrandzeit von 2 x 1,5h.
Jeder andere Ofen muss, zur Erzielung vergleichbarer Leistung, länger brennen und damit dem Schornstein länger die, für die Funktion nötige, Wärme anbieten.

Kachelöfen für die Ganzhausbeheizung mittels warmem Wassers sind m.E. nur sinnvoll in Niedrigenergiehäusern mit Wärmebedarf nicht über 6kW/h.

Dort hält sich der Bedienungsaufwand in Grenzen. Problem ist aber auch hier die "Urlaubsvertretung".

Theo L. Kern theo.kern@kachelofen-profis.de http://www.kachelofen-profis.de Für direkten Kontakt bitte meinen E-Mail Link benutzen und eigene Kontaktdaten nicht vergessen. Auf halbanonyme Mails antworte ich nicht.
04.10.05, 09:50:42

Kelpin

(Moderator)

Hallo,
ich will jetzt teluke nicht widersprechen, aber mitunter trifft man hier auf Leute, die Öfen mit Heizungsunterstützung realisieren wollen, einfach weil es geht.
Gibt es nicht mittlerweile Systeme ("Hafnertech" oder so), die Wärme aus dem Ofenmantel für den Wärmetauscher nutzen, den Rauchgasweg also nicht beeinflussen? Nicht, daß ich glaube, sowas amotisiert sich, aber bevor man Wärmetauscher in den Rauchgasweg stellt...
Wird damit die Oberflächentemperatur des Grundofens nicht auch in gewissen Grenzen regelbar (nachdem man wieder mal zuviel aufgelegt hat)?

------------------------- Kelpin -------------------------
04.10.05, 11:58:43

Theo Kern

(Administrator)

Hallo Kelpin

Ja das gibt es.
Hafnertec macht da schon gute Sachen. Sinn macht das aber nur mit automatischer Pelletsbeschickung. Dadurch wird das so teuer dass es als Zusatzheizung undisktabel ist.

Im Prinzip sind das dann völlig geschlossene Warmluftkachelöfen, bei der Art der Wärmeabgabe (solange das Feuer brennt) dem Grundofen ähnlich.

Aber es findet kaum Wärmespeicherung statt. Deswegen muss auch hier dauernd Holz nachgelegt werden oder eben mit Pellets geheizt werden.

Deswegen schreibe ich ja auch dass es bei Niedrigenergiehäusern als Alleinheizung durchaus richtig sein kann.

Theo L. Kern theo.kern@kachelofen-profis.de http://www.kachelofen-profis.de Für direkten Kontakt bitte meinen E-Mail Link benutzen und eigene Kontaktdaten nicht vergessen. Auf halbanonyme Mails antworte ich nicht.
04.10.05, 12:48:40
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