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Theo Kern

(Administrator)

geändert von: Theo Kern - 08.01.19, 08:00:59

Wie bereits angekündigt und veranlasst durch verstärkt auftretende Fragen unserer Interessenten und Kunden hier eine Erläuterung zu den verwendeten Schamottequalitäten und zur Schamotte im Allgemeinen.

Anscheinend sind gewisse Verkäuferkreise, nach dem die echten Argumente ausgehen, nun dabei ihre Interessenten mit neuen Märchen zu beglücken.
Die Argumentation ist dabei ähnlich der der Messeverkäufer für Brillenputzmittel oder Autopolitur.
Lassen Sie sich nicht auf den Arm nehmen. Wunder gibt es (vielleicht) in Lourdes, nicht aber bei der Physik.

Was ist Schamotte?

Schamotte ist Grobkeramik, im Prinzip das gleiche wie Mauersteine oder Ofenkacheln.
Der Unterschied ist dass Schamotte aus feuerfesten Tonen und Zuschlagsstoffen hergestellt wird.
Feuerfest ist alles mit einem Segerkegelfallpunkt größer SK 17. Das entspricht etwa 1500°C.
Unsere Schamotte hat einen Segerkegelfallpunkt von 28-30.

Ob aber eine Schamottequalität für einen Einsatzzweck geeignet ist hängt nicht von einem hohen Segerkegelfallpunkt ab.
Wichtig ist die Summe der Eigenschaften die da wären:

Dem Einsatzzweck entsprechende:
Anwendungstemperatur,
Temperaturwechselbeständigkeit,
Mechanische Festigkeit,
Offene Porosität,
Wärmeausdehnung.

Je nach Einsatzzweck sind hier ganz unterschiedliche Anforderungen an den Werkstoff wobei sich Spitzenwerte in einem Bereich oft mit schlechten Werten in anderen Bereichen paaren.

Zum Beispiel der Zementbrennofen.

Gefordert werden hier sehr hohe Einsatztemperaturen und hohe mechanische Festigkeit. Das geht daher mit schlechter Temperaturwechselbeständigkeit. Erkaltet der Ofen muss er neu ausgemauert werden. Daher werden solche Öfen ununterbrochen genutzt.

Für den Kachelofen z.B. wäre diese Schamotte unbrauchbar. Hier ist die gute Temperaturwechselbeständigkeit extrem wichtig.

Ähnliche Unterschiede gibt es z.B. für Schamotte für Hochöfen, Glasschmelzwannen usw.
Auch diese wären für den Kachelofen völlig unbrauchbar.

Wir verwenden für den Bau unserer Grundöfen folgende Schamottequalitäten:
!Bitte beachten Sie die Ausführungen in dem Antwortbeitrag!

Im Feuerraum:

Wolfshöher HKS

Plastisch nachgepreßte Qualität,
Anwendungstemperatur 1300°C,
Schamotte mit Cordierit Anteil, für garantiert geringsten Verschleiß im Feuerraum.
Stärke der Feuerraumausmauerung bei uns immer 8,9cm. Dazu kommen noch die Außenwand mit ca. 7cm Stärke.
Gesamtstärke also ca. 16cm.

Im gemauerten Zug:

Wolfshöher HBO+

Plastisch stranggepreßte Qualität, plastisch nachgepreßte Qualität,
Anwendungstemperatur 1200°C,
speziell für den Kachelofenbau entwickelte Schamottequalität mit hoher Temperaturwechselbeständigkeit.
Optimiert auf hohe Wasserdampftoleranz, und Wärmespeicherung.
Stärke der Zugausmauerung zwischen 6,5cm und 2cm. Je nach Gastemperatur und Feuerraumleistung. Auch hier kommt noch die Außenwand mit ca. 7cm Stärke dazu.
Also zusammen ca. 9 - 13cm.

Das bedeutet nicht dass diese Schamotten nur von uns verbaut werden, sie haben auch keine Wundereigenschaften. Das bedeutet auch nicht dass die Schamotte anderer Markenhersteller schlechter ist.
Ein Ofenbauer der Wert auf zufriedene Kunden legt wird immer die für den Einsatzzweck optimale Schamotte hoher Qualität auswählen.
Schwarze Schafe, von denen es leider auch genug gibt, entlarven Sie einfach indem Sie verlangen dass im Angebot die verwendete Schamotte steht.
Hersteller, gerade aus östlich angrenzenden Ländern, verkaufen hier billige Industrieschamotte die aber, für den Ofenbau, nicht geeigent und schon gar nicht optimiert ist für weniger als den halben Preis den eine gute Markenschamotte kostet.
Ein mancher Ofenbauer glaubt dass er da ein gutes Geschäft machen kann.

Schamotte allgemein hat eine spezifische Temperaturkapazität von ca. 0,28Wh/kg*K
Das gilt (mit leichten Abweichungen) für jede Schamotte.
Wieviel Wärme gespeichert werden kann hängt also von der, an der richtigen Stelle verbauten, Menge (Gewicht) Schamotte ab. Dabei ist das spezifische Gewicht der einzelnen Schamottesorte nur insofern relevant als dadurch, bei gleicher Wärmekapazität, mit schwerer Schamotte ein wenig dünner gebaut werden kann.
Das Litergewicht normaler Schamottesteine liegt bei knapp 2kg.
Unsere Feuerraumaußenwand mit insgesamt 16cm Stärke wiegt pro m² als ca. 320kg.
Speichern kann ich in dieser Wand nun pro 1°C mittlerer Temperatursteigerung rund 90Wh.
Erhöht sich die Temperatur während des Abbrandes um durchschnittlich 200°C werden 18000Wh bzw. 18kWh „eingelagert“.
Hat der „aktive“ Teil des Ofens nun z.B. 1500kg und wird der Ofen während des Abbrandes um durchschnittlich 115°C aufgeheizt dann speichert die Masse rund 48kWh ein.
Das ist dann ein typischer 4kW Grundofen schwerer Bauart.
Nicht zum aktiven Ofen zählen Anbauten die nur der Optik wegen vorgenommen werden ebenso wie unbeheizte Bänke und Sockel.

Sind die Schamottewände nun aber nur halb so stark dann müssten sie, um das gleiche zu speichern, spezifisch das Doppelte wiegen. So schwere Schamotte (im Ofenbau) gibt es aber nicht einmal als „Wunderschamotte“.
Die schwerste, mir bekannte „Schwerschamotte“ hat ein Litergewicht von ca. 2,9kg. Diese Schamotte ist aber nicht zum Einsatz im Feuerraum geeignet. Im Zugsystem ginge das und würde das Volumen des Ofens etwas schrumpfen. Verwenden wir aber aber nur in Sonderfällen weil sich das Material nicht optimal mit anderer Schamotte verträgt was die Wärmedehnung betrifft. Dann aber ungemischt.
Der Feuerraum kann aber in keinem Fall aus Schwerschamotte gebaut werden.

Cordierit, im (von uns verwendeten) Feuerraumschamottestein enthaltenes Material wird z.B. auch dazu benutzt keramische Kochgefäße zu machen.
Die bekannteste Anwendung dieses Materials sind aber die Brennplatten und Stützen (Möbel)im Keramikbrennofen.
Dort werden diese Platten viele hundert Mal von 0 auf bis zu 1300°C aufgeheizt und wieder abgekühlt bevor sie, aus Sicherheitsgründen in intaktem Zustand, ausgesondert werden.
Cordierit ist, weil nicht verwertbar in der Natur vorhanden, künstlich hergestellt und daher sehr teuer.
Es hat aber eine unvergleichlich gute Temperaturwechselbeständigkeit.

Typische Verkäufer Märchen.

Es wird die Feuerfestigkeit der Schamotte genannt.

Die Anwendungstemperatur ist jedoch nicht zu verwechseln mit der Feuerfestigkeit. Diese liegt noch mal 400-500°C höher.
Es gehört zu den Verkäufermärchen gerne die Feuerfestigkeit zu nennen. 1700°C hören sich halt besser an als 1300°C.
Relevant ist aber lediglich die Anwendungstemperatur.

Die Feuerfestigkeit unserer HBO+ Schamotte liegt z.B. ca. 1650°C, aber wie gesagt. Dieser Wert ist nicht relevant, wenn überhaupt zählt nur die Anwendungstemperatur.

Es wird mit Pressdrücken geprahlt.

Blanker Unsinn.
Durch Pressen wird der Stein fester. Das ist nützlich beim Abrieb im Feuerraum. Aber nur dort, woanders im Ofen wird die Schamotte keinerlei Abrieb ausgesetzt.
Pressen ist schädlich für die offene Porosität. Aber auch diese ist im Ofen wichtig für Temperaturwechselbeständigkeit und Wasserdampfaufnahme.

Klarstellung

Auch die Anwendungstemperaturen der Ofenbauschamotten liegen weit über den tatsächlich benötigten Anwendungstemperaturen.
Wir erreichen im Feuerraum zwar tatsächlich über 1000°C. Das ist aber die Gastemperatur in der Flamme, nicht die Temperatur der Feuerraumsteine. Diese würden bei 1000°C schon hellrot glühen. Bei den zulässigen 1300°C wären die Steine schon weißglühend.
Die tatsächlich erreichten Schamottesteintemperaturen liegen ein paar hundert Grad niedriger. Weit, weit weg also von den zulässigen Anwendungstemperaturen.
Im gemauerten Zug sind die Verhältnisse noch krasser. Dort haben wir Rauchgastemperaturen zwischen 150°C und 700°C. Rauchgastemperaturen wohlgemerkt, nicht Schamottetemperaturen.

Viel wichtiger ist die Temperaturwechselbeständigkeit. Sie entscheidet wie lange die Schamotte den Stress aushält. Die Temperaturwechselbeständigkeit wird durch aber Pressen nicht gefördert. Das Pressen ist lediglich für die mechanische Abnutzung wichtig. Eine mechanische Abnutzung erfolgt aber lediglich im Feuerraum.

Die Prahlerei mit irgendwelchen Pressdrücken oder Feuerfestigkeiten ist also purer Unsinn. Nur dazu da damit Verkäufer ein Produkt hochloben können um es damit als besser als andere darzustellen. Mit der Realität hat das überhaupt nichts zu tun.

Die angeblichen Superschamotten laufen (im besten Fall) von den gleichen Bändern bei den großen Markenherstellern wie die andere Schamotte auch. Es gibt auch passende Hersteller in der Ukraine, Weißrussland usw.
Keiner (zumindest kenne ich keinen) der Anbieter die großartig ihre Schamotte herausstellen macht dieselbe wirklich selbst.
Lassen Sie sich doch einfach mal ein Datenblatt und Informationen über den Hersteller geben. Da werden Sie aber auf Granit beißen.
Aus dem Zusammenhang gerissene Informationen wie Pressdruck und Brenntemperatur haben keinerlei Aussagekraft über die Qualität für den Ofenbau. Sie dienen lediglich dazu dem Interessenten vorzuspiegeln dass man hier etwas ganz besonderes verkaufe und damit der Rechtfertigung hoher Preise.
Dabei sind für die hohen Preise viel eher ganz andere Faktoren verantwortlich.

Theo L. Kern theo.kern@kachelofen-profis.de http://www.kachelofen-profis.de Für direkten Kontakt bitte meinen E-Mail Link benutzen und eigene Kontaktdaten nicht vergessen. Auf halbanonyme Mails antworte ich nicht.
15.03.07, 12:20:28

Theo Kern

(Administrator)

Seit Einführung unserer neuen Ofentüren H36U und H54U bauen wir unsere Öfen mit speziell für uns hergestellten Dichtschamotten in teils selbstentwickelten und eigenen Formen.

Auch hier beträgt die Wandstärke beim Feuerraum 8,9cm, beim gemauerten Zug 6,5cm.
Segerkegel = 33 Druckfeuerbeständigkeit 1380°C.

Die Leistungsfähigkeit geht weit über die realen Anforderungen im Grundofenbau hinaus.

Dichtschamotte ist schwerer als normale Schamotte und hat dadurch eine höhere Wärmeleitfähigkeit und höhere Speichermasse.
Dadurch ist es leichter hocheffiziente Grundöfen zu bauen weil der Zug für den gleichen Wirkungsgrad kürzer gebaut wird.







Theo L. Kern theo.kern@kachelofen-profis.de http://www.kachelofen-profis.de Für direkten Kontakt bitte meinen E-Mail Link benutzen und eigene Kontaktdaten nicht vergessen. Auf halbanonyme Mails antworte ich nicht.
08.01.19, 07:59:19
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